Erwin Ebermann172 ADA – Ein konstruktiver afrikanischer Beitrag in einem Span- nungsfeld der Gesellschaft Gespräch mit Kilian Okanwikpo, Generalsekretär von ADA. EE: Herr Okanwikpo. Sie sind Gründer und Leiter der Association for Demo- cracy in Africa (ADA). Was macht Ihre Organisation? KO: Neben verschiedenen anderen Aktivitäten versuchen wir vor allem im Be- reich des Drogenhandels zu intervenieren, um Vorurteile und Spannungen zwi- schen Österreichern und Afrikanern abzubauen. Wir organisieren einerseits Schulungen für Polizisten, damit diese Reaktionen von Afrikanern besser ver- stehen und mit größerer Sensibilität auf sie reagieren können. Andererseits ver- suchen wir, durch die Schaffung einer Notunterkunftsstätte und durch die Hilfe bei der Arbeitssuche und sonstigen Problemen der Lebensbewältigung Afrika- nern in schwierigen Situationen Hoffnung zu geben und dadurch von kriminel- len Pfaden abzuhalten. EE: Warum handeln manche Afrikaner mit Drogen? KO: Dies ist ein vielschichtiges Problem. Es hängt sowohl mit formaler wie praktischer Unmöglichkeit zusammen, Arbeit zu finden, als auch mit organisier- ter Kriminalität. Stellen Sie sich einen Asylwerber vor, der bis zu 3 Jahre auf sein Verfahren wartet, weder rein noch raus kann und so zu einem leichten Op- fer für organisierte Kriminalität werden kann. Viele Afrikaner haben mir gesagt, daß sie gar nicht hergekommen wären, wenn sie gewußt hätten, was hier auf sie wartet und was sich daraus entwickelte. Darunter waren auch Dealer, die län- gere Zeit im Gefängnis saßen. EE: Was halten Sie von der unter Afrikanern und im Integrationsbereich weit- verbreiteten Ansicht, daß viele Afrikaner gar keine andere Chance haben, als mit Drogen zu handeln? KO: Das ist für mich überhaupt kein Argument. Man hat trotz der schwierigen Situation Alternativen. Man ist nicht unbedingt auf Drogen angewiesen, man kann auch schwarzarbeiten. Ich füge niemandem Schaden zu, wenn ich am Bau schwarzarbeite. Mit Drogen töte ich aber gezielt andere Menschen. Manche Afrikaner haben öffentlich befürwortet, daß man mit Drogen handeln dürfe, wenn man keine andere Arbeit hat. Ich habe keinerlei Verständnis dafür. Ich habe selbst Kinder, die durch Drogenhandel gefährdet werden können. EE: Glauben Sie, daß manche Dealer das Gefühl haben, daß Drogenhandel in der afrikanischen Gemeinde eher toleriert wird? KO: In der afrikanischen Gemeinde wird Dealen nicht toleriert, weil es auch in Afrika nicht toleriert wird. Einige meinen, daß es nicht so schlimm wäre, wenn manche Afrikaner dealen. Dieser Meinung bin ich nicht. Weil Afrikaner dies kaum jemals öffentlich sagen, haben einige Dealer das Gefühl, daß Drogenhan-