Feldstudie Arbeitsuche 185 Wiener Arbeitsmarkt sensibilisiert. Wir waren daher bereits vor dieser Untersu- chung gezwungen, uns intensiv mit den aktuellen rechtlichen Rahmenbedin- gungen (z.B. durch Flüchtlingsberatung) und Problemen bei Integrationsprozes- sen zu beschäftigen. Wie schwer es als AfrikanerIn ist , einen adäquaten Job zu finden, wissen wohl alle, die mit AfrikanerInnen befreundet sind. Eine Arbeit zu haben, ist eine der notwendigen Voraussetzungen für erfolgreiche Integration. Art und Adressaten der Bewerbungen Aufgrund der Tatsache, daß es zum Zeitpunkt der Studie mehr afrikanische Männer als Frauen in Österreich gab, untersuchten wir die Akzeptanz austro- afrikanischer Männer auf dem Wiener Arbeitsmarkt, wobei der Sozialbereich bei den Bewerbungen einen besonderen Schwerpunkt bildete. Abgesehen da- von, daß zwei unserer Freunde in diesem Bereich derzeit ihre Wirkungsstätte haben, lagen die Gründe in unserer Annahme, daß der soziale Bereich Multikul- turalität und interkulturelle Kommunikation für sich beansprucht und deshalb zumindest theoretisch eine Nachfrage nach qualifizierten afrikanischen Mitar- beitern bestehen sollte. Es fiel uns auch leichter, inhaltlich überzeugende Be- werbungen abzugeben, die von Sachkenntnis und Erfahrung zeugten. Aus unse- ren persönlichen Beobachtungen geht auch hervor, daß Absolventen dieser Stu- dienrichtungen bessere Chancen im immer neoliberaler ausgerichteten Arbeits- markt haben. Bei der Auswahl der Annoncen entschieden wir uns dafür, etwa gleich viele größere und kleinere Firmen, Vereine und Institutionen anzuschrei- ben, da wir einen unterschiedlichen Diskriminierungsgrad für möglich hielten. Weiters versuchten wir, bei den Bewerbungen eine gewisse Streuung durch die Grobunterteilung in Handwerksberufe, Berufe auf Maturaniveau (HTL, HAK) und Berufe, für die akademische Ausbildung erforderlich ist, zu erreichen. Durch die Überbetonung des Sozialbereichs wurden überproportional häufig Bewerbungen für Arbeitsstellen mit akademischer Qualifikation verfaßt. Zur Gestaltung der Bewerbungen Bei den Arbeitssuchenden handelte es sich um Personen mit „tadello- sem Leumund“, die sowohl über fundierte Berufsausbildung als auch Praktika und einige Jahre Berufserfahrung verfügen, diese wurden im Lebenslauf und Motivationsschreiben geschildert. Da wir beim Afrikaner eine Benachteiligung postulierten, achteten wir bei der Erstellung der Bewerbungen darauf, ihm einen kleinen Bonus (z.B. eine Spur mehr Praxiserfahrung) zu verschaffen. Der Rücklauf Als positiv wurden von uns Einladungen zu einem Vorstellungsgespräch gewer- tet.. Das Ausmaß der Diskriminierung lag nach den ersten Reaktionen unter un- seren Erwartungen, doch nahm sie mit Fortdauer des Projekts zu, v.a. in Anzahl und Art der Reaktionen auf die Bewerbungen des Österreichers und des Austro-