Erwin Ebermann374 wendet wird, befragten wir 1992 insgesamt 50 und im Jahr 2000 insgesamt 100 Personen 220 , also in Summe 150 Personen bezüglich ihrer Bezeichnungen für Afrikaner. Wir wählten dafür folgende Versuchsanordnung: Wir zeigten Pas- santen eine Bildermappe mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und ersuch- ten sie, uns mitzuteilen, wen sie auf den Fotos sehen. Vier der 25 Photos betra- fen Afrikaner, die in unterschiedlicher Kleidung aufgenommen wurden (3x tra- ditionell, einmal im Anzug) 221 . 8% bezeichneten im Jahre 2000 die abgebildeten Afrikaner als Neger. Dieser Prozentsatz entsprach weitgehend den Antworten des Jahres 1992, wobei Neger vorwiegend von über 40jährigen verwendet wur- de. Darüber hinaus wollten wir wissen, wie häufig der Begriff Neger ohne Wi- derspruch akzeptiert wird, falls ihn der Interviewer als „Autoritätsperson“ ein- führt. Der Interviewer unterhielt sich mit dem Interviewten über die Bilder und gebrauchte dabei selbst als Erster den Ausdruck Neger. Weitere 5% fühlten sich nun durch das Vorbild des Interviewers ermutigt, selbst diese Bezeichnung zu verwenden. Nur 15% aller Interviewten protestierten gegen die Verwendung dieses Ausdrucks, wobei die Häufigkeit des Protests von 1992 (10%) auf 2000 (15%) zunahm, was sowohl für ein größeres Problembewußtsein wie auch für eine geringfügig angestiegene Zivilcourage spricht. Tabelle 116: Verwendung von "Neger" in Praxis Verwendung des Ausdrucks Neger in der Praxis Bildermappenumfrage, Ebermann 2000 Akzeptanz des Ausdrucks Ne-ger Beschreibung Häufigkeit in %, n=100 aktive eigenständige Äußerung Verwendung ohne Anregung des Interviewers 8% Halbaktive Verwendung Interviewer führte Ausdruck ein, Interviewter verwendete ihn weiter 5% Toleranz bzw. Nichtprotest Interviewer verwendet diese Bezeichnung ohne merkbaren Protest des Interviewten 72% Offener Protest Interviewer verwendet Be- zeichnung, Interviewter zeigt sein Befremden über den Ausdruck 15% Als wir 702 Wiener um ihre primäre Assoziation mit Afrikanern fragten („Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Schwarzafrikaner denken?“), antworteten 4,23% der Befragten mit Neger, einer mit Bimbo. Drei Viertel derer, die den Ausdruck verwendeten, waren über 50 Jahre alt. Die Verwendung des Aus- drucks Neger scheint somit zu einem großen Teil ein Generationsproblem, zu 220 Befragungen in Parks und anderen Orten im 1., 9., 15. und 17. Bezirk von Sept.-Nov. 2000 221 In Anzügen abgebildete Afrikaner wurden öfters für Afro-Amerikaner gehalten.