Erwin Ebermann304 ZERBOMBTE BRÜCKEN – WARUM INTEGRATIVE ÜBERZEUGUNGS-ARBEIT OFT WIRKUNGSLOS BLEIBT Viele Menschen bemühen sich seit Jahrzehnten um eine bessere Akzeptanz von Afrikanern in Wien. Einzelne politische Parteien wie die Grünen sind zu Lob- bies für Afrikaner geworden und bieten ihnen viele Selbstdarstellungsmöglich- keiten. Menschenrechtsorganisationen, Institute der entwicklungspolitischen und integrativen Bildungsarbeit, eine Reihe von NGOs im Integrationsbereich und viele weitere Einrichtungen oder Personen legen viel Engagement an den Tag, um interkulturelle Spannungen und Vorurteile abzubauen und Diskriminie- rung zu bekämpfen. In Presse, Rundfunk und Fernsehen kritisiert eine Reihe engagierter Journalisten ausschließende und völkerverhetzende Tendenzen. Dennoch nimmt die Ablehnung von Zuwanderern und besonders von Afrika- nern seit einigen Jahren zu. Waren wir machtlos gegen diese negative Entwicklung? Gibt es ein Na- turgesetz, daß eine bereits eher fremdenablehnende Gesellschaft durch Globali- sierung und verstärkte Migration zwangsläufig noch egoistischer, rechtsgerich- teter und fremdenablehnender wird? Haben wir, die oft politisch linksstehenden „Wissenden“, die häufig auch über eine profunde Kenntnis der Zuwandererkulturen verfügen, die logi- sche Vermittler zwischen dem ablehnenden Teil der Gesellschaft und den zu- gewanderten Afrikanern wären, immer die richtigen Worte beim Vermittlungs- und Streitschlichtungsgespräch gefunden? Waren unsere wohlintendierten Akti- vitäten mitunter sogar kontraproduktiv? Fehlten uns nicht die Argumente, son- dern vielleicht die notwendige Glaubwürdigkeit und Didaktik, um viele zurück- haltende Menschen auf unsere Seite zu ziehen? Geht die abnehmende Akzep- tanz von Zuwanderern nur zufällig einher mit einer wachsenden Distanz zwi- schen Engagierten, linksstehenden Intellektuellen und einem großen Teil der österreichischen Bevölkerung? Benutzten wir mitunter Zuwanderer in der Dis- kussion, um innergesellschaftliche Konflikte auf ihrem Rücken auszutragen oder im Extremfall, um der eigenen Karriere zu nützen? Wir für Zuwanderer Eintretende sind häufig davon überzeugt, daß wir die besseren Menschen und die besseren Demokraten mit den edleren Motiven sind. Wir sollten uns lang- sam zu fragen beginnen, warum uns das so wenige glauben. Was machen wir falsch? Wo müssen wir überzeugender werden? Wir fordern Toleranz des reservierten Bevölkerungsteils für andere Ideen, anderes Sein, anderes Tun und öffnen dennoch so extrem schnell unsere Schubläden, daß wir uns selbst karikieren. Wir schließen auch durch Kategori- sierungen Menschen so schnell aus, daß wir ihnen oft keine Chance mehr las- sen, sich für unsere Richtung zu entscheiden. Wir sind oft so leicht angreifbar in unseren Angriffen, daß wir nicht überzeugend wirken können. Wir urteilen rasch und mit oft sehr niedrigen Standards über die „Schlechtigkeit“ und den