Chibo Onyeji118 non, ein Denker und Aktivist, einen beträchtlichen Schritt weiter. Er vebrachte den größten Teil seines kurzen Lebens damit, sich mit dem „Warum“ auseinan- derzusetzen. 40 Jahre nach Fanon ringen Afrikaner im eigenen Land und in der Diaspora immer noch mit dem Warum. Vor wenigen Jahren hat Toni Morrison versucht, dieses „Warum“ zu ergründen, indem sie untersuchte, wie in amerika- nisch- literarischen Vorstellungen und Kritiken diese Ablehnung, die sie Ameri-can Africanism nennt, jene beeinflußt, die ihn weiterführen 111 . In gewisser Weise kann Metternich als Gründer des österreichischen Afrikanismus, um dem Beispiel Morrisons zu folgen, in österreichisch- politischer Vorstellung, bezeichnet werden. Ist nicht mit der Vorstellung, daß Afrika und Afrikaner für Europa die größte Gefahr wären, eine negative Funkti- on verbunden? Es ist mir bewußt, daß Metternich von Ägypten spricht, welches in eurozentrischem Sinn fast nie mit Schwarzafrika assoziiert wird. Aber gerade diese Erwähnung Afrikas, in einer Angelegenheit, die speziell Ägypten betraf, läßt uns vermuten, daß Metternich die Absicht hatte, möglicherweise unbewußt, auf eine „denotative und konnotative Schwarzheit“ hinzuweisen, welche die meisten Europäer vorzugsweise mit Afrika und Afrikanern in Verbindung brin- gen. Man braucht nur das Buch Das Leben von AfrikanerInnen in Österreich lesen, um Vergleiche zwischen Metternichs Politik und der Politik ziehen zu können, die hinter den Ereignissen stehen, die in diesem Buch zusammengefaßt wurden. Man wird sich dieser Ähnlichkeit noch mehr bewußt, wenn man auch das Buch Das afrikanische Wien gelesen hat, eine umfangreiche Sammlung von afrikanischen Spuren aus vergangenen Jahrhunderten, welches 1991 erschienen ist. Ist das Bewußtsein der Gegenwart nicht einfach der Geist der Toten? Es ist nicht wichtig, wie und zu welcher Zeit dieser österreichische Africanismus ausgelegt wird. Wichtiger ist, daß er immer zum gleichen Ziel führt. Während Metternichs Politik darauf ausgerichtet war, die Afrikaner drau- ßen zu halten, erzürnen sich seine politischen Nachkommen, daß man Afrikaner hereingelassen hatte. Auf jeden Fall ist die Hinausdrängung von Afrikanern noch immer das Ziel der Politik, wie innovativ sich moderne Metternichs in Ös- terreich oder woanders in Europa auch präsentieren mögen: um es mit der öster- reichischen Schriftstellerin Christine Nöstlinger zu sagen, es „is ima des söbe“. Bezeichnend für den österreichischen Afrikanismus, genauso wie für jeden anderen Afrikanismus ist, daß eine ständige Emotionalisierung erforderlich ist, damit er funktioniert – als ob Gefühl über Verstand triumphiert. Das Verhalten der Polizei gegenüber Angehörigen der rassisch klassifizierten schwarzen Be- völkerung in Österreich und die übliche Charakterisierung derselben macht die- se Ansicht glaubhaft. Im Profil 34/1996 werden diese Zustände mit einer bemerkenswerten Karikatur gezeigt. Die Tatsache, daß Polizeiübergriffe sogar das Titelblatt eines 111 Morrison (1992:6)