Afrikaner und Politik 337 derungen herbeizuführen. Dennoch ist die Einigung mit anderen Initiativen schwierig. Zu unterschiedlich sind im Detail oft die Interessen, die Aussagen, zu deutlich oft die Divergenzen, zu offensichtlich oft die Konkurrenz um karge Ressourcen, die mitunter auch zur Diffamierung konkurrierender Vereine füh- ren kann.... Es gab oft Versuche und Ansätze, diese nur auf dem Papier existie- rende afrikanische Gemeinde zu einigen, fast immer kam es zur Resignation der treibenden Kräfte. Manchen Vereinen und ihren Leitern wird nachgesagt, nur dann bei einem Dachverband mitzuwirken, wenn sie selbst die leitende Rolle übernehmen könnten; andere Vereine berichten von ihrer Angst, neben einem mächtigen Dachverband um karge Fördermittel umzufallen. Zuwenig zum Le- ben, zuviel zum Sterben scheint nur bedingt ein guter Boden zur Gründung ei- nes Dachverbandes zu sein. Dabei hätte ein derartiger Dachverband enorm viele Vorteile für die afrikanische Gemeinschaft: Gemeinsamer Rechtsbeistand: Kein afrikanischer Verein kann sich einen dauerhaften Rechtsbeistand leisten, der im Falle von Diskriminierungen zur Verfügung steht, eine African Community mit 8000 Mitgliedern könnte es; Erhöhte Druckmöglichkeiten: eine einigermaßen geeinte African Com- munity könnte mit größerem politischen Gewicht Mißstände glaubhaft kriti- sieren und teilweise eine Verbesserung erreichen. Verbesserte Mediendarstellung: An wen sollen sich Journalisten wenden, wenn sie über Afrikaner in Österreich arbeiten? Die Rivalität der afrikani- schen Gruppierungen führt öfters zur lautstarken Kritik an Medienvertre- tern, wenn diese Mitglieder anderer Vereine für Afrikaner in Wien/Öster- reich sprechen lassen. Das erhöht nicht unbedingt die Neigung von Journa- listen, sich an Afrikaner zu wenden. Ein gewählter Vertreter der African Community hätte einen wesentlich besseren Zugang zu den Medien, weil diese dadurch sicher sein können, keiner Randpersönlichkeit aufzusitzen. Verbesserter Drittmittelzugang: Ich war Mitglied eines afrikanischen Projektteams, das infrastrukturelle Vorhaben für die afrikanische Gemein- schaft in Wien umsetzen wollte, was u.a. daran scheiterte, daß von Seiten der potentiellen Geldgeber Unsicherheit vorhanden war, ob wirklich alle afrikanischen Gruppierungen hinter dem Projekt stünden und ob nicht even- tuell andere dagegen opponieren würden. Eine bei Großprojekten geeinte African Community hätte hier ganz andere Möglichkeiten. Strukturelle Mitwirkungsmöglichkeit: In vielen Gremien, in denen Afri- kaner einen natürlichen Part zu spielen hätten, sind sie wegen ihrer Zersplit- terung und internen Rivalitäten nicht vertreten. Afrikanische Vertreter hät- ten bei Einigung bessere Möglichkeiten, erfolgreich gegen Interessenskon-