Afrikanische Frauen in Wien 27 Deklassierung sind ihrer Ansicht nach (in absteigender Wichtigkeit) Hautfarbe, Religion und Herkunft. Die Reaktionen auf Rassismus und Alltagsdiskriminie- rung sind sehr unterschiedlich und reichen von Hinunterschlucken bis zu star- ken äußeren Reaktionen, Wutanfällen, Schimpfen und Weinen bei Bekannten. Nur 8 von 50 Befragten fühlen sich in Wien wirklich zu Hause; 6 Frau- en nur manchmal und nur dann, wenn sie sich temporär als Menschen behandelt fühlen, die Anspruch auf gleiche Rechte haben. 36 Frauen fühlen sich in Wien überhaupt nicht heimisch. Sie fühlen sich von den Medienbildern über Afrika und seine Menschen gestört, in denen z.B. afrikanische Frauen sexistisch als sexuelle Objekte darge- stellt werden, als Sexsymbole, als exotisch. Sie finden es aggressiv, daß ihre Männer und Brüder als Drogendealer dargestellt werden. Sie beschweren sich darüber, daß Kopftücher mit Fanatismus gleichgesetzt werden. Viele muslimi- sche afrikanische Frauen fühlen sich durch den TV-Spot „vom Scheich, der mit seinen unzähligen Frauen telefonieren will“ der Telekommunikationsgesell- schaft Tele2 diskriminiert. Durch diesen Spot werden alte Klischees verfestigt, wodurch sich muslimische Frauen verletzt fühlen. Afrikanische Frauen sind sich der politischen Veränderung in Öster- reich wohl bewußt und gaben oft an, daß durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ der Rassismus gestiegen sei. Es steigt bei ihnen die Angst vor rassistischen Angriffen durch die Polizei, vor automatischen Verdächtigungen von Afrika- nern als Drogendealern. Afrikanerinnen wünschen sich auch, daß sich Menschen verstärkt gegen den Rassismus engagieren, wie z.B. durch Demos, Antidiskriminierungsgeset- ze, Bewußtseinsbildungsseminare und Veranstaltungen gegen Rassismus. Gesundheit Bereits die Migration beeinträchtigt die Gesundheit afrikanischer Migrantinnen: durch die Trennung von der gewohnten Umgebung, vom kollektiven WIR zum ICH in einem gesellschaftlichen Individualismus. Sie kommen nach diesen Stu- dien mit vielen Hoffnungen und Träumen hierher, die nicht leicht zu verwirkli- chen sind. Dieses Auseinanderklaffen von Realität und Traum verursacht vielen Afrikanerinnen ständige Kopfschmerzen, Migräne; Schlafstörungen, Magenbe- schwerden; Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, starke Depressionen, Aggressivität usw. Sie leiden unter dem starken Anpassungsdruck der lokalen Gesellschaft. Sie möchten sich trotz der starken Belastung durchsetzen, sind geduldig und arbeiten an einer Verbesserung ihrer Situation. Die neuen gesellschaftlichen Anforderungen könnten sie noch kränker machen. Dazu kommt, daß nicht alle Afrikanerinnen medizinisch versorgt sind, z.B. weibliche Flüchtlinge haben ei- nen nur begrenzten Zugang zum Gesundheitswesen, falls sie überhaupt als Flüchtling anerkannt werden.