Liebe zwischen Schwarz und Weiß 255 "Ich liebe einen afrikanischen Mann" Verstehen und Mißverstehen in den Beziehungen zwischen Afrikanern und Österreicherinnen Sonja Steffek Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Thematik Kulturelle Unterschiede. Auf der einen Seite möchte ich daher bestimmte Probleme aufzeigen, deren Lösung erleichtert wird, wenn sie als kulturelle Probleme erkannt werden, auf der ande- ren Seite möchte ich aber nicht versäumen, auf das große Potential an Erkennt- nismöglichkeiten hinzuweisen, die in den Beziehungen zwischen afrikanischen Männern und österreichischen Frauen gegeben sind. Es ist nicht in meinem In- teresse, mit diesem Artikel eine Problematisierung von kulturellen Konfliktpo- tentialen zu unterstützen, die eine prinzipielle Unverträglichkeit verschiedener Kulturen annimmt. Wenn es nun in meinem Artikel in erster Linie um "Kom- munikationsprobleme" im kulturellen Bereich geht, so will ich dennoch auf die oft unbewußt stattfindenden Lernprozesse hinzuweisen, die für diese Probleme verantwortlich sind. Im Vergleich zu Partnerschaften zwischen Österreichern finden Bezie- hungen und Ehen zwischen österreichischen Frauen und afrikanischen Männern in einer Situation statt, die sich als "kulturelle Überschneidungssituation" be- schreiben läßt. Zwar befinden sich objektiv gesehen beide Paare zunächst in ei- ner ähnlichen Situation, denn in jeder Beziehung treffen schließlich zwei Part- ner aufeinander, die einander "fremd" sind. Sie sind gewöhnlich nicht gemein- sam aufgewachsen und haben im Verlauf ihrer bisherigen Sozialisation unter- schiedliche Erfahrungen gemacht, die auf den allgemein gültigen Vorstellungen ihrer Gesellschaft beruhen. Was in interkulturellen Beziehungen oft zu Mißver- ständnissen und Konflikten führt, sind damit die sozialen Rollen, die kulturspe- zifischen Gesellschaftsrollen und die damit verknüpften Verhaltensweisen, die dem Einzelnen normalerweise nicht bewußt sind. Diese gesellschaftlichen Rol- len und Verhaltensweisen werden zu einem großen Teil bereits in der Kindheit erlernt (REIF 1996:41). Berger und Luckmann (1980) unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Sozialisation, wobei die primäre Sozialisa- tion durch die erste Bezugsperson vermittelt wird. In dieser primären Sozialisa- tion wird dem Individuum vor allem mittels der Sprache seine Identität, soziale Rolle und sein Wirklichkeitsverständnis vermittelt. Da Kinder jedoch das, was sie lernen, noch nicht in Frage stellen, werden die gelernten Dinge als unum- stößliche Tatsachen aufgenommen. Ein Baum ist daher für ein Kind ebenso "wirklich", wie die Tatsache, "daß Buben nicht weinen sollen". Soziale Phäno- mene werden dadurch so eingeprägt, daß sie zu natürlichen Phänomenen wer- den, die in der Regel nicht in Frage gestellt oder hinterfragt werden.