VII Methodische Ansätze 1. Materialquellen dieses Buches In dieses Buch fließen neben den unabhängigen Recherchen weiterer Beitra- gender folgende Untersuchungen bzw. Interviews ein: die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 154 Afrikanern über ih- re Erfahrungen in Wien (von Juni-September 2000); die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 702 Wienern über Ein- stellungen und Erfahrungen mit Afrikanern (und 6 weiteren Zuwanderer- gruppen) im Jahr 2000; 190 Scheinbewerbungen für Wohnungen (gemeinsam mit B. Ludwig), bei denen wir uns im Namen von Afrikanern für freie Wohnungen bewarben; je 36 Scheinbewerbungen für freie Arbeitsplätze im Namen von Afrikanern und Wienern ( gemeinsam mit Eva Adam-Maxova und Fridarike Santner); die Ergebnisse von 30 Fragebogenbefragungen unter Experten für Entwick- lung und Integration über ihre Sicht der Situation von Afrikanern in Wien; zahlreiche persönliche Gespräche und Tiefeninterviews mit Wienern; zahlreiche Einzelgespräche mit Integrationsexperten; die Ergebnisse einer Umfrage unter 86 Afrikanern über ihre Erfahrungen in Wien (in den Jahren 1991-93) zahlreiche Tiefeninterviews mit Afrikanern aus verschiedenen Bereichen; die Ergebnisse zahlreicher Podiumsdiskussionen, die ich begleitend zu die- sen Recherchen im Club International Universitaire in Wien organisierte. 2. Wahl der Methoden und auftretende Probleme Interviews mit Wienern In Straßeninterviews wurden insgesamt 702 Wiener zwischen Juli und Oktober 2000 interviewt, wobei den Interviewern Bezirke und Zielgruppenauswahl weitgehend vorgegeben wurden, um die Repräsentativität der Umfrage zu ge- währleisten. Die Interviewer wurden über gängige Interviewstandards, -formen und -probleme instruiert, in zweiwöchigen Teamsitzungen wurden anfallende Probleme diskutiert. Die aufgeheizte innenpolitische Diskussion mit ihren Po- larisierungstendenzen und Feindbildprägungen schlug sich auch auf die Inter- views wieder. Die Reaktionen reichten von gesteigerter Angst vor offenem Ausdruck der eigenen Meinung (aus Angst, schnell als Rassist abgestempelt zu werden) bis zu deutlicher Aversion von einer Reihe von rechts- wie linksgerich- teten Personen gegen Interviews in diesem konfliktträchtigen Bereich. Da es allzu offensichtlich war, daß eine auf Afrikaner beschränkte Be- fragung in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit zu stark verfälschten Aussagen geführt hätte, entschieden wir uns, Einstellungen zu insgesamt sieben verschiedenen Zuwanderergruppen abzufragen. Viele Menschen haben Angst