Erwin Ebermann382 Betrachten wir die Länder, deren Bereisung zu einer wesentlich größeren Ak- zeptanz von Zuwanderern aus diesen Ländern führte. Man sieht, daß der Anteil an Akademikern unter den Reisenden in diese Länder besonders hoch ist. Es ist kaum daraus zu folgern, daß Akademiker ihre Vorurteile besonders leicht ver- ändern. Vielmehr haben Akademiker noch vor der Reiseerfahrung meist positi- vere Urteile über Zuwanderer. Dies mag durch größeres Wissen über andere Kulturen bedingt sein (schulisch, universitär oder durch Zugang zu mehr und besseren Medien erworben), durch geringere Konkurrenz zu Zuwanderern, durch bessere Qualifikation (die meisten Zuwanderer arbeiten in weniger quali- fizierten Bereichen) und auch besseres Wissen über die Erwartungshaltungen der Interviewer. Es ist (zum Glück) in den meisten gesellschaftlichen Bereichen nicht sehr populär, fremdenfeindlich zu sein. Viele Studien zeigen, daß Bildung und Fremdenablehnung eng korrelieren: je höher die Bildung, um so geringer die Fremdenablehnung. Wenn daher mehr Akademiker in ein Zielland fahren, dann hebt dies automatisch die durchschnittliche Zustimmung der Reisegruppe zu Zuwanderern aus dieser Region. Die folgende Grafik zeigt deutlich, wie eng Bildung mit Wertschätzung von Zuwanderern zusammenhängt (Einstellungen gegenüber türkischen Zuwanderern): Einstellungen gegenüber türkischen Zuwanderern 1 1,2 1,4 1,6 1,8 2 2,2 2,4 2,6 2,8 3 rken Wohnakzeptanz Verhaltensqualität Türken Freundakzeptanz Türken Heiratsakzeptanz Türken Türken Vorteil für Wien Arbeitsmotivation Türken Türken sind intelligent in Wien zuviele Türken r ken sind vertrauenswürdig Gebe Topjob an Türken Türken Sozialbelastung Akzeptanz Hauptschule u.ä. abgeschl. Studium Paradoxerweise verschlechtern sich in manchen Bereichen die Einstellungen von Akademikern durch die Reiseerfahrung. Absolventen einfacher Bildungs- wege wie z.B. der Hauptschulen verbessern hingegen in allen untersuchten Be- reichen ihre Einstellungen zu Zuwanderern. Ob Akademiker bei Reisen vielfach Entmystifizierungen theoretisch bekannter Welten erleben, besonders elitär ur- teilen und dadurch gerade ärmere Länder kritischer beurteilen, bleibt eine offe- ne Frage.