Erwin Ebermann152 Die Wiener Gerichtsmedizin kam in den Geruch von Gefälligkeitsgutach- ten; Die Justiz erweckte durch ihre Langsamkeit den Eindruck politisch moti- vierten Desinteresses an der Weiterverfolgung des Falles; Das Fehlen jedweder politischer Konsequenzen kratzte - bei einem damali- gen sozialistischen Innenminister – empfindlich am Selbstbild der SPÖ als Gegenmodell zur FPÖ und ließ ihre Glaubwürdigkeit weiter schrumpfen. Dennoch hatten diese traurigen Ereignisse auch positive Folgen: So wurde die Abschiebung von Schubhäftlingen in Kooperation mit Menschenrechtsorganisa- tionen auf internationale Standards gebracht und die Ausbildung der handelnden Beamten deutlich verbessert. Darüber hinaus wurde der Menschenrechtsbeirat gegründet, der sich aus Spitzenbeamten des Innenministeriums und Mitgliedern von NGO's unter dem Vorsitz eines Verfassungsrichters zusammensetzt und als Kontrollorgan der Sicherheitsexekutive dient. Er konzipiert zahlreiche Vor- schläge zur Verbesserung der Situation. Die ersten Erfahrungsberichte sind eher positiv und heben das konstruktive Meinungsklima der Kooperation hervor 136 . Erst mit dreijähriger Verspätung fand im Frühjahr 2002 der Prozeß ge- gen die 3 Beamten statt. Dabei wurde u.a. bekannt, daß von Seiten des österrei- chischen Staates Druck auf den bulgarischen Gerichsmediziner ausgeübt wur- de 137 . Der österreichische Gerichtsmediziner schloß sich in seinem Gutachten nun weitgehend den beiden anderen an, die den Tod Omofumas auf die Knebe- lung zurückführten. Die drei Beamten wurden am 15.4.2002 zu einer bedingten Haftstrafe von jeweils 8 Monaten verurteilt, was viele als äußerst mildes Urteil für diese Tat empfanden. Der Richter betonte jedoch, daß das Zusammenspiel „der Verklebung des Mundes, des Gesichts und Teilen der Nase mit der Brust- korbkompression“ eindeutig tödlich gewesen sei. Ihm sei die Herztod-Variante des Wiener Gerichtsmediziners Reiter „schon damals sehr seltsam vorgekom- men“ und finde sie durch die anderen Gutachten klar widerlegt. Der Richter be- tonte die Schwere des Vergehens „Die Beamten haben Omofuma an all dem gehindert, was den Menschen zum Menschen macht“, sah aber ungenügende Beweise für die Anklage „Quälen eines Gefangenen mit Todesfolge“, was die Milde der Strafe erkläre (Der Standard, 16.4.2002, S.10). Wege zum Konfliktabbau – Begegnung abseits von Amtspfaden Afrikaner und österreichische Polizisten sind einander äußerst fremd. Es ist sehr selten, daß diese beiden Bevölkerungsgruppen einander außerhalb von Amts- 136 Der Standard, 24.4.2001. „Partner, kein Aufpasser“. Menschenrechtsbeirat gab dem Innenmi- nister 92 Empfehlungen. 137 Dieser: „Für mich war sofort klar, daß Omofuma erstickt ist. Dennoch wurde mir von österrei- chischer Seite ausgerichtet, ich solle das Gutachten milde formulieren...!“ (News 11/2002, S. 33).