Afrikanische Zuwanderer 13 viert die Sauce, die Männer staunen wiederum, daß sie so toll schmecke, wie habe sie denn das gemacht? Die Frau antwortet: „Ich habe Maggi hineingege- ben. Wir sind ja schließlich zivilisiert!“ Dies sind nur einige Beispiele für viele Verhaltens- und Einstellungs- unterschiede, die sich auch bei Afrikanern in Wien wiederfinden. Afrikaner in Wien zeigen zu viele Unterschiede in Verhalten und Diskurs, als daß man von einem gemeinsamen Charakter sprechen könnte, sondern eher von unterschied- lichen Häufigkeiten von Einstellungen bei verschiedenen Völkern und Natio- nen. So meinen in unseren Umfragen Nigerianer deutlich häufiger als andere Afrikaner, daß nur Afrikaner kompetent über Afrika sprechen könnten. Glei- chermaßen sagen Nigerianer auch deutlich häufiger als andere Afrikaner, daß ihnen Mitleid mit Afrikanern auf die Nerven ginge. Wiens Afrikaner sind jedenfalls kein monolithischer Block, ob beim Verhalten in Discos, bei Konfliktlösungen, beim öffentlichen Diskurs, bei der Bereitschaft, sich politisch zu organisieren und zu betätigen und auch nicht bei Einstellungen zu Assimilation und Inseldasein. Unterschiede und Integration Die Gruppe der in Wien lebenden Afrikaner kam aus sehr unterschiedlichen Gründen nach Wien, vermochte es in unterschiedlichem Maße, sich zu integrie- ren und bildet auch darüber hinaus keineswegs eine homogene Einheit. So fin- den sich deutliche Unterschiede bezüglich Einstellungen und Erfahrungen in Wien besonders zwischen folgenden Gruppen: englischsprachige gegenüber anderssprachigen Afrikanern; integrierte gegenüber weniger integrierten Afrikanern; fremdschuldorientierte Afrikaner gegenüber Selbstverantwortlichen. Nationalsprache und Integration In Wien befindliche Afrikaner sprechen nach Eigenangaben im Schnitt beein- druckende 5,2 Sprachen 8 . Diese Zahl ist durchaus denkbar: Fast alle afrikani- schen Länder sind Vielvölkerstaaten. Länder wie wie Nigeria oder die DR Con- go weisen Hunderte von Sprachen auf, zu denen noch deren Dialekte kommen. Ein Samo in Kiembara im nördlichen Burkina Faso beherrscht fast zwingend zumindest folgende Sprachen: 2 verschiedene Samovarianten (die wahrschein- lich eher schon Sprachen sind 9 ); die dominierende Sprache Burkina Fasos, das Moore; die im Westen Burkina Fasos gesprochene Verkehrssprache Dioula, die 8 Ebermann 1996a:41. 9 Studien des Autors zwischen 1983-85, in welchen er 12 Samovarianten untersuchte. Diese sind teilweise so verschieden, daß häufig eine andere afrikanische Sprache, das Dioula, zur Kommuni- kation zwischen Samo aus verschiedenen Dörfern verwendet wird.