Afrikanische Studierende 231 Nationalitäten, Gruppierungen und Vereinen werden Studierende aus Afrika an österreichischen Universitäten als homogene Gruppe wahrgenommen. Wenn ÖsterreicherInnen auf AfrikanerInnen zugehen, verschwindet auch an den Uni- versitäten die Ratio allzu oft hinter provinziellen Vorurteilen oder Unwissen- heit 169 . Die Hautfarbe ist hier ausschlaggebend, ob jemand dazugehört oder nicht, zu Lerngruppen eingeladen wird oder mit seinen Fragen an afrikanische KollegInnen verwiesen wird, von Polizisten auf dem Nachhause Weg perlu- striert oder in der U-Bahn von Süchtigen belästigt wird. Den Anderen nicht mehr als "Afrikaner" wahrzunehmen, sondern als Menschen wie jeden anderen auch, ist an den österreichischen Universitäten am Beginn des 3. Jahrtausends noch nicht selbstverständlich. Rückständig sind hier eher die Studierenden und Professoren, die noch nicht begriffen haben, daß im Zeitalter der Globalisierung Wissenschaft nicht mehr an der Hautfarbe festzumachen ist, und nicht die afri- kanischen Intellektuellen. Afrikanische Studierende - eine "kleine" Größe Seit 1993 verringert sich die Anzahl von Studierenden aus außereuropäischen Entwicklungsländern stetig. Die Zahl ging von 5446 Studierenden im Studien- jahr 1993/94 auf 4475 ordentliche HörerInnen im Studienjahr 1999/2000 zu- rück 170 . Ausschlaggebend für diesen Rückgang war die gesetzliche Neuregelung des Aufenthaltes und des Zuzuges von Ausländern 1993 und 1997. De facto wurde für Studierende aus Staaten, die nicht der europäischen Union angehören ein sozialer Numerus Clausus eingeführt. Wer weniger als 70.000 Schillinge pro Jahr vorweisen kann oder keine Verwandten oder Bekannten hat, die eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, hat seit 1993 als Studierender in Öster- reich nichts mehr zu suchen. An dieser finanziellen Hürde scheitern insbesonde- re Frauen. Ihre Ausbildung hat hinter der der männlichen Nachkommenschaft meist Nachrang. Da im Aufenthaltsgesetz die Form des Nachweises finanzieller Mittel nicht festgelegt ist, sondern dem Ermessen der zuständigen österreichi- schen Behörde überantwortet, ist der willkürlichen Handhabung der Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen Tür und Tor geöffnet. Besonders die österreichi- sche Botschaft in Nigeria fällt wenig überraschend durch besonders restriktive Erteilung von StudentInnenvisa auf. Mit Ermessensregelungen läßt sich der Ge- setzgeber Spielräume zur Steuerung studentischer Migrationsströme offen. Auf- grund der in den letzten Jahren zunehmenden Ressentiments, überrascht es, daß sich die Zahl der Studierenden aus Subsahara-Afrika gegen den Trend entwik- kelte und in absoluten Zahlen leicht anstieg. Seit 1993/94 hat sich ihre Zahl von 525 auf 597 171 geringfügig erhöht. Was in absoluten Zahlen eher als Stagnation 169 Vgl. Harald Pichlhöfer, Typisch Afrika. Eine semiotische Studie. Wien 1999. 170 Quelle: Österreichische Hochschulstatistik und vorläufige Statistiken des BUWK. 171 Davon sind rund 17% Frauen.