Ursula Weinhäupl156 Die Letzten in der Warteschlange - Puzzlesteine der Situation afri- kanischer minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge Ursula Weinhäupl Die Situation Die Erfahrungen, die ich als Betreuerin einer Wohngemeinschaft für unbegleite- te minderjährige Flüchtlinge afrikanischer Herkunft gesammelt habe und weiter sammle, sind nicht gerade einfach in einen Artikel zu fassen. Wie überhaupt die Problematik und Situation dieser speziellen Gruppe nicht leicht darzustellen sein wird – wer sie nicht von allen Seiten beleuchtet, gerät in Gefahr, ein ver- zerrtes Bild zu liefern. Nahezu jeder Satz, der über die so genannten UMFs ge- schrieben wird, ist auf seine Art etikettierend, verfälscht und unvollständig. Doch er ist besser als gar kein Satz. Auch bruchstückhafte Ausschnitte der teil- weise bedrückenden Realität helfen mit, sich ein Bild zu machen. Meine Puzz- lesteine der Realität habe ich in dem Kontakt mit etwa 30 afrikanischen Flücht- lingen zusammengetragen – sie zeigen Alltagserlebnisse als Betreuerin, Gründe des Asylansuchens, Durchführung und Problematik des Asylverfahrens und auch das Problem der Kriminalität. Hinter diesen Strukturen stecken Menschen mit Gefühlen der Frustration, aber auch der Erwartungen. Hier muß man meiner Meinung nach zwischen Flüchtlingen unterschei- den, deren Leben in ihrem Heimatstaat tatsächlich gefährdet ist und jenen, die aus wirtschaftlichen Gründen und Vorstellungen – richtigen oder falschen, das sei dahingestellt – vom „reichen Europa“ ihr Land verlassen und sich ein besse- res Leben erwarten. Wobei klar ist: Jeder Flüchtling hat einen Grund, die Stra- pazen der ungewissen und gefährlichen Flucht auf sich zu nehmen. Die Frage ist, ob dieser Grund nach dem österreichischen Asylgesetz ausreicht. Auf jeden Fall finden sich Wirtschaftsflüchtlinge beziehungsweise Menschen, die aus anderen Gründen wie Verfolgung und Krieg flüchteten, in einer schwierigen Situation wieder. Oft werden ihnen auf der Flucht von Schleppern und anderen Afrikanern Tips gegeben, wie sie die größte Chance hätten, sich im neuen fremden Land ein Leben aufzubauen. Diese Ratschläge beinhalten meist, sofort nach der Ankunft einen Asylantrag zu stellen und ein Land und eine Verfolgungsgeschichte zu erfinden, die die Chance auf einen po- sitiven Asylbescheid kräftig erhöhen sollen. Doch das ist oft die falsche Entscheidung: Bei den Asylverfahren wer- den die Asylbewerber sehr genau nach den Gegebenheiten des angegebenen Heimatlandes gefragt. Durch Prüfungen der Sprache, des Wissens über das Land - die Natur, die Flagge, die Städte, die Religion und, und, und – werden Lügen meist mühelos aufgedeckt. Oft sind Sachverständige des angegebenen Heimatlandes anwesend, die die Angaben der Identität überprüfen. Länder, die für diese Notlügen bevorzugt gewählt werden, sind Sierra Leone