Erwin Ebermann396 Sogar bei den in Witzen ausgedrückten ethnischen oder regionalen Vorurteilen zeigen sich häufig erstaunliche Parallelen. Die Schwedinnen (Image der sexuellen Freizügigkeit) sind in Mali die Songhai-Frauen; den Burgenlän- dern (Image der Begriffsstutzigen) entsprechen die Bobo; den Schotten (Image des Geizes) entsprechen die Suraka usw. Ähnlich wie in Österreich kursieren zahlreiche Witze, in denen diese Klischees eingebettet sind, wie z.B.: Ein Suraka läuft weinend zu seinem besten Freund, der im Sterben liegt. „Bitte stirb nicht!“. Der Freund ist sichtlich gerührt über diese Liebe und tröstet ihn: „Schau, das Leben wird weitergehen.“ Worauf der Su-raka antwortet: „Aber Du bist mir doch noch viel Geld schuldig!“ Man muß schon mit sehr geschlossenen Augen durch die afrikanischen Welten gehen, um die Verschiedenheiten zu Europäern stärker als die Gemeinsamkeiten wahrzunehmen. Ich bin überzeugt, daß die alten österreichischen Bauern, die ich in meiner Kindheit kennenlernte (nicht mehr die heutigen Nebenerwerbs- bauern), mehr mit afrikanischen Bauern gemeinsam haben, als beide mit den Städtern in ihren Ländern. Die Umgebung prägt den Menschen sehr viel mehr als die Herkunft. Das gibt Hoffnung. Man sollte nicht in einem Augenblick, in dem wir dem biologischen Rassismus definitiv abschwören, den kulturellen Rassismus durch Mystifizierung oder Verteufelung unnötig verstärken. Wir sind nicht gleich, aber uns trennen keine Kategorien, sondern nur unterschiedliche Häufigkeiten von Verhaltensformen.