Feldstudie Wohnungssuche 221 Studie basiert auf 48 aus dem Kurier und 52 aus dem Bazar erfolgreich kontak- tierten Inseraten. Vorab möchte ich feststellen, daß mich das Ergebnis etwas überraschte. Meine Hypothese, daß rund die Hälfte der Wiener VermieterInnen ihre Objekte nicht an Afrikaner gegen Bezahlung abgeben würden, erwies sich als unrichtig. Rund 64 % der Wohnungseigentümer teilten mir mit, daß sie keinerlei Problem hätten, an Afrikaner zu vermieten. Ca. 25 % lehnten Mieter afrikani- scher Herkunft kategorisch ab. Dabei sind aber all jene Anzeigen, die dezidiert darauf hinweisen, daß nur Inländer erwünscht sind, nicht inkludiert (Eine Mai- Ausgabe des Bazar enthielt 574 Anzeigen, 8 davon waren mit dem Hinweis ver- sehen, daß nur inländische MieterInnen erwünscht sind.) . Die restlichen 10 % verhielten sich eher zögernd, bzw. hatte ich das Gefühl, daß ihr Angebot an ei- nen Afrikaner zu vermieten, nicht wirklich ernst gemeint war. Feststellen läßt sich, daß alle ImmoblienmarklerInnen auf meine Woh- nungssuche für einen Afrikaner stets positiv antworteten. Warum dies so ist, mag vielleicht mit einer eventuellen Gefahr einer Diskriminierungsklage in Zu- sammenhang gebracht werden. Beginnen möchte ich meine Schlußfolgerungen mit den positiven Er- lebnissen. Einige der von mir kontaktierten Personen reagierten ganz erstaunt, da sie sich nicht vorstellen konnten, daß es Wiener VermieterInnen gibt, die sich weigern, an einen Afrikaner oder eine Afrikanerin zu vermieten. (Zitat: „Na des glaub’ ich nicht, gibt’s denn so etwas, für mich ist das kein Problem.“, „Na das wäre ja noch schöner, wenn man aus diesem Grund ablehnen würde.“) Viele meinten auch, daß es für sie absolut kein Problem sei, ihre Wohnung an einen Schwarzen weiterzugeben. Manchmal wurde die positive Antwort auch um die Feststellung, daß in dem Haus viele internationale Leute bzw. Ausländer lebten, ergänzt. Weiters hörte ich oft, daß die potentiellen VermieterInnen an jedermann bzw.- frau vermieten würde, solange der Zins regelmäßig bezahlt würde. Ein Mann erzählte er, daß der Vormieter ein Mann aus Ghana gewesen sei, und daß dieser sehr freundlich war. Andere wiederum reagierten auf meine Fragen mit der strikten Feststellung, daß sie (und ihre) Familien nicht auslän- derfeindlich wären. Eine Dame meinte, daß ein afrikanischer Mieter in dem Haus überhaupt kein Problem sei, da dort keine alteingesessenen Mieter wohn- ten, sondern sich die Hausgemeinschaft ständig ändere. Ein anderer bemerkte, daß für den Hausbesitzer, den er vertrete, die Hautfarbe ganz bestimmt keine Rolle spiele, da er selbst im Ausland lebe. Wiederum eine andere Dame entgeg- nete mir: “Gibt’s denn so etwas? Das ist ja kein Problem. Wer war dagegen, der Makler oder der Vermieter? Gerade Afrika ist schön.“ Zu den ermutigenden Antworten gehören auch folgende: „Für mich zählt der Mensch, nicht die Haut- farbe.“, oder „Kein Problem – herzlich willkommen!“. “Kein Problem, wir ma- chen keinen Unterschied.“