ERWIN EBERMANN (Hg.): Afrikaner in Wien

LIT Verlag, Münster 2002, 432 Seiten, €37.

Das Buch heißt „Afrikaner in Wien", doch handelt es ausschließlich von Menschen dunkler Hautfarbe aus den afrikanischen Subsahara-Staaten. Aus unterschiedlichen Beweggründen sind sie nach Wien gekommen und konnten sich in unterschiedlichem Maße in ihrer neuen Heimat integrieren. So sind die in Wien lebenden Afrikanerinnen keineswegs ein monolithischer Block. Die Autorinnen führten zahlreiche Interviews mit Wienerinnen (702 Befragte) und Afrikanerinnen (86 Befragte) durch. Auch wurden Scheinbewerbungen für Wohnungen und freie Arbeitsplätze durchgeführt, um genauer zu analysieren, ob Afrikanerinnen hierzulande diskriminiert werden. Das Ergebnis: Von zwei fingierten gleich qualifizierten Menschen - einem Österreicher und einem schon lange in Wien lebenden Afrikaner, der über sehr gute Deutschkenntnisse verfügt - wurde der Österreicher überproportional häufig zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Von 36 Afrikanerinnen wurden nur 13 zu Vorstellungsgesprächen eingeladen (bei den Österreicherinnen waren es im Vergleich dazu 24), 8 bekamen eine briefliche Absage (Österreicherinnen: 6) und 15 Afrikanerinnen (Österreicherinnen: 6) bekamen überhaupt keine Informationen.

Am Wohnungsmarkt war die Situation vor allem bei Wohnungen mittlerer Größe (41 bis 70 m2) problematisch. 37 Prozent lehnten es überhaupt ab, an Afrikanerinnen zu vermieten. Die Chancen von Afrikanerinnen sind dort größer, wo es die geringste Nachfrage gibt, bei kleinen Substandard-Wohnun-gen und bei großen und teuren Wohnungen für Besserverdienende, wie z. B. afrikanische UNO-Angestellte.
„Afrikaner in Wien" ist ein profund recherchiertes Buch über die Lebenssituation von Afrikanerinnen in Wien. Darüber hinaus gibt es auch Auskunft darüber, wie Afrikanerinnen von der heimischen Bevölkerung in den verschiedensten Lebenssituationen auf- und wahrgenommen werden. Ein äußerst interessantes Buch, das dazu beiträgt, Vorurteile abzubauen und Verständnis und Toleranz zu fördern.

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