Verstärkt Afrika!Afrika! Vorurteile gegen Afrikaner?

Verstärkt Afrika!Afrika! Vorurteile gegen Afrikaner?

Afrika!Afrika! ist ein Festival mit erstklassigen afrikanischen Artisten und Musikern. Im Kurier vom 22.3.2008 (S. 20) erhofft sich André Heller, dass die Veranstaltung „auch das Bewusstsein für die fremde Kultur schärft“. Gelingt dies oder verstärkt Afrika!Afrika! Vorurteile gegen Afrikaner? 

Afrika!Afrika! bewegt sich bei all zur Schau gestellten Kompetenz von Afrikanern eng im Rahmen dessen, was nach Studien fast alle Menschen  Afrikanern längst zutrauen: dass Afrikaner ‚Musik im Blut haben‘ und ausgezeichnete Athleten sind. Dass Heller extrem gute Musiker und extrem gute Athleten auf engstem Raum zeigt, verstärkt einfach dieses positive Vorurteil.

Jedoch werden Afrikaner von etwa 1/3 der Bevölkerung intellektuell extrem unterschätzt, was gerade bei Bewerbungen für qualifizierte Posten von besonderem Nachteil ist. Sie werden als sozial kaum kompatibel eingestuft, auch wegen der häufigen Assoziation mit Kriminalität, bei Männern dabei besonders mit dem Drogenhandel. Und sie werden wegen der häufigen wirtschaftlichen Malaise ihrer Heimatländer oft als dauerhaft Arme und Hilfsbedürftige und damit als potentielle Ausnützer des Sozialsystems empfunden. All das fällt Afrikanern in Österreich bei Stellenbewerbungen, bei der Wohnungssuche und in Partnerschaften auf den Kopf.

Keines der hier zitierten wichtigsten Vorurteile gegenüber Afrikanern wird durch das Spektakel bekämpft. Im Gegenteil: Liest man sich das Programmheft zu Afrika!Afrika! durch, werden die körperliche Überschätzung und die intellektuelle Unterschätzung der Afrikaner eigentlich noch weiter propagiert. Der Starbeitrag zum Programmheft 2007 stammt von Hans Christoph Buch, der u.a. schreibt:

„Aber die Afrikaner haben weder das Schießpulver erfunden noch den Kompass, ganz zu schweigen von Auto und Flugzeug, Atombombe und Interkontinentalrakete. Dafür haben sie die von der Zivilisation unterdrückte Sexualität aus ihren Fesseln befreit und den Europäern etwas zurückgegeben, was ihnen im Rausch der Industrialisierung abhanden gekommen war: spontane Lebensfreude …“

Mit Verlaub: sehr viel dämlicher und faktenwidriger kann man nicht argumentieren. Hier werden zum Einen Afrikaner als Gegenstück zur Zivilisation, also als Primitive, beschrieben: sie haben nichts erfunden und bieten dafür enthemmte freie Sexualität. Zum Anderen dürften durch FGM lebenslang verstümmelte Frauen – etwa ein Viertel der Frauen des Kontinents könnte davon betroffen sein – wohl kaum über diesen Witz über die Freuden enthemmter Sexualität lachen, da sie dabei fürchterlichste Schmerzen erleiden. Darüber hinaus wird ein weiteres Vorurteil gegenüber Afrikanern durch diese Aussage bestätigt, nämlich das der sexuellen Übermenschen. 

Es gibt ca. 1000 verschiedene afrikanische Kulturen, für Hans Christoph Buch scheinbar aber nur eine einzige, über die er laufend pauschal urteilt:

„Aus afrikanischer Sicht gibt es keinen Widerspruch zwischen Sport und Akrobatik, Tanz und Musik, Literatur und Gesang, so wenig wie zwischen Arbeit und Spiel, Ernst und Spaß.“

Auch hier wieder Schwachsinn, weitgehend dem Image des „Edlen Wilden“ bei Rousseau entsprechend. Ich kann mir nach langen Jahren in einer Reihe afrikanischer Kulturen beim besten Willen keinen Familienchef vorstellen, welcher einen Jugendlichen wegen Fehlverhaltens bestraft und von diesem dabei ausgelacht wird. Das würde sehr wahrscheinlich in den meisten Fällen mit einer schweren Pracht Prügel enden. Wenn ich an die unendlich erschöpften Blicke von einfachen Arbeitern denke, welche für wenige Cents 10 Stunden in praller Hitze gearbeitet haben, dann sehe ich in ihren Augen auch keinerlei Anzeichen von Spielfreude, sondern nur vom Wunsch nach Erholung.

André Heller ist ein großer und auch sensibler Kulturmanager, das hat er mit zahlreichen Festivals bewiesen. Ich finde es gut, dass er Afrika!Afrika! organisierte. Aber ich sehe beim besten Willen nicht, wie und wodurch durch das Festival das ‚Bewusstsein für die fremde afrikanische Kultur‘ geschärft werden sollte.

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